Fossile Hölzer aus dem Geschiebe

1890 veröffentlichte Hugo Wilhelm Conwentz seine  Forschungsergebnisse über die Bernsteinwälder Schwedens. 1892 kam eine weitere Monographie zu fossilen Hölzern aus der Region Schonen hinzu. In dieser erschienenen Monographie beschreibt er verkieselte Hölzer aus dem Geschiebe aus Schweden, Deutschland und den Niederlanden. Er berichtete von Aufschlüssen aus Schonen, die neben Kies, Sand und Gneis-Geschieben wo auch größere Blöcke aus einem weißlich, mürben Sandstein vorkamen. In diesem Kalksandstein wurden verschiedene Oberkreide Fossilien des Senon gefunden, unter anderem auch Hölzer. Bereits zu Conwentz-zeiten wurden diese Geschiebeblöcke als „Holma-Sandstein“ bezeichnet. Der Holma-Sandstein wird heute ins Santon der Oberkreide gestellt. Conwentz war immer auf der Suche nach den ursprünglichen Bernsteinwäldern, hierzu untersuchte er rezente- und fossile Pflanzen und Hölzer, aber auch Braunkohle-Material aus Schweden und Deutschland, dem heutigen Polen und den Niederlanden. Bei der Untersuchung der verkieselten Hölzer, viel Conwentz schnell auf, dass viele dieser Geschiebehölzer Spuren von Pilzbefall und Insektenspuren zeigten. Auch in Dünnschliffen der Hölzer sah man Hyphen von Saprophyten, also vom Holzsubstrat lebenden Pilzen. Einige Hölzer auch andere Auffälligkeiten auf, dass einige Hölzer zigzagartig verlaufende Markstrahlen hatten. Seine Deutung hierzu war eine mechanische Einwirkung vor der Verkieselung als Ergebnis. Conwentz konnte aber nicht den Nachweis für eine Übereinstimmung zwischen dem Holma-Sandstein und dem verkieselten Hölzern aus dem Geschiebe in Zusammenhang bringen.

Die Sandsteinfunde mit Holzstücken lassen auf eine alttertiäre Deutung schließen. Das aus dem Geschiebe vorliegende Material zeigt unterschiedliche Erscheinungsbilder der Verwitterung. Der natürliche Farbton des Gesteins, der Hölzer und Pilze ist schwarz, danach durchläuft das Material verschiedene Verwitterungsfarben die äußerlich von schwarzbraun über Brauntöne bis zum hellbeige und manchmal sogar weißlich erscheinen. Die letzte Farberscheinung ist für das Material besonders gut, so lassen sich alle Einzelheiten beim Holz gut erkennen. Die überwiegende Mehrheit an fossilem Holz aus dem Geschiebe NW-Deutschlands und den Niederlanden gehören zu Larixiaxylon, Cupressinoxylon und Palmoxylon. Hölzer von Angiospermen sind bisweilen fraglich. Besonders hervorzuheben sind bei der Vielzahl der verkieselten Hölzer die überlieferten Prozesse der Zersetzung oder verschieden Formen des befalls. Vielfach handelt es sich um Spuren von xylobionter Pilze und Käfer, es gibt aber auch Spuren von Bohrmuscheln an Treibhölzern. Auf Grund der vielen Hölzer ist eine detaillierte und systematische Zuordnung der einzelnen Fossilien schwierig. Daher beschränken wir uns hier auf eine kurze, übersichtsartige Beschreibung der häufigsten Reste.

Gewaltige Lavamassen begruben im Paleozän das südliche Gebiet Grönlands und die angrenzenden Gebiete von Irland und England. Es war die Geburtsstunde des Atlantischen Ozeans. Die Vulkanasche dieser Ausbrüche lässt sich bis nach Süddeutschland oder bis tief in den kanadischen Raum nachweisen, sogar auf Spitzbergen finden sich Aschelagen. Aktiv waren klassische Vulkane und Spaltenvulkane bis ins späte Eozän hinein. Einen Teil dieser Aschen findet man heute noch, in Südschweden, in der Eifel und im Norden Dänemarks (Moler und Fur). Möglicherweise stammen die Geschiebe-Hölzer sogar aus dieser Zeit-Periode. Denn in diesen alttertiären Ascheablagerungen finden sich einige verkieselte Holzreste von Taxodiaceoxylon, Cupressinoxylon, Palmoxylon und Ginkgoxylon.

Diese heftigen Ausbrüche hatten große Auswirkungen auf das bestehende Ökosystem. So änderten sich Klima und Niederschlagsmengen, am Ende des Eozän und zu beginn des Oligozäns wurde es kühl und feucht. Die Laubwälder in Nordeuropa, Nordamerika und teilen Russlands wurden zurückgedrängt. Nadelbäume breiteten sich in Skandinavien aus, während dieser Zeit dominierte Larix altoborealis die Wälder. Neben Hölzern und Pilzen gehört auch noch ein versteinerter Schlammboden, der sehr viele pflanzliche Reste aufweist. Stücke dieses Kieseltorfs oder Urtorfs, es handelt sich um Ablagerungen aus Süßwasserseen, findet man in den Geschiebeablagerungen um Berlin und auch im Münsterländer Kiessandzug (NRW).

 

Sandstein mit Holzstück  Sandstein mit Holzstück

Sandstein mit Holzresten

verkieseltes Sequoien HolzHolzstück mit Jahrringen und Markstrahlen, die Holzstrahlen sind durch Pressung stark gefaltet

Verkieseltes Holz  Verkieseltes Holz

Gymnospermen-Hölzer, bei beiden Hözlern sind die Holzstrahlen durch Pressung kantig geknickt;

Verkieseltes Holz
Gymnospermen-Holz (Larix altoborealis)
  Verkieseltes HolzGymnospermen-Holz (Larix altoborealis), durch Pilzbefall stark gezeichnet
 
Sandstein mit Wurzelkanälen  Sandstein mit Wurzelkanälen
Weitere Sandsteine mit Wurzelkanälen
 
Sandstein mit Wurzelkanälen
Ein vorher in dem Sandstein eingebettetes Kohlestück wurde auch durchwurzelt.
 
Kieseltorf  Kieseltorf
Kieseltorf (Vorder- und Rückseite)
 
Kieseltorf
Typischer Kieseltorf mit laminierter Struktur. Die hart silifizierten Bereiche gehen teils mit und ohne scharfen Übergang ineinander über. Die laminierte Struktur wird durch viele Schlammschichten mit fossilem Inhalt erzeugt, welche nur horizontal ausgerichtet sind.
 

  

Text Harald Rohe 

Erstellt: ‎26. Dez. 2018 

Letzte Aktualisierung: März 2019

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